The Pirate Round

Dreizehnter Teil

Worin mit Meerjungfrauen gerungen wird

Ich versprach, von dem zu berichten, was sich während der Rast auf dem Eiland von Bimini zutrug, in einer kleinen Ruhepause vor dem Gefecht mit der Vengenca. Ich versichere erneut, pflichtschuldig nichts als die Wahrheit offenzulegen, und bitte alle Herren Geistliche erneut um Nachsicht. Denn diese Insel am Rande der sich stets verändernden Landschaft der Bahamas ist von allerlei Mythen umrankt, und die Seeräuber der Rapture stöberten gleich mehrere davon auf.

Zunächst fand der Landungstrupp auf der Suche nach frischem Wasser eindeutige Spuren hoher Zivilisation: Ein gemauerter Brunnen und eine überauß breite Straße aus riesenhaften Steinquadern, doch bereits so alt, dass alles geborsten oder im Meer versunken war. Es ist denkbar, dass Juan Ponce de Leon, als er 1513 die Insel fand, hier die Quelle der Ewigen Jugend vermutete, von der ihm die Taino Indianer berichtet hatten.
Als überaus lebendig erwiesen sich aber die Einwohnerinnen der hiesigen Gewässer. Ich meine damit nichts anderes als wahrhaftige Meerjungfrauen, auch Nixen oder Fischweiber genannt. Es ist weislich bekannt, dass deren legendäre Schönheit nur Täuschung ist, und sie Männer in die See locken, um sie zu verzehren oder noch übleres. Wohl um Anne Chérel zu imponieren, ließen sich sich der Kapitän und Sedgemoor zu der Eselei hinreißen, ihrerseits zu versuchen, eine Meerjungfrau zu fangen. Und obgleich sie schlimm zugerichtet wurden, gelang ihnen ihr bemerkenswerter Fischzug und sie sahen sich Herren über zwei echte Nixen.

In der Zwischenzeit waren die im Lager gebliebenen Dahn-Ti und Black John auf einen scheinbar schiffbrüchigen Knaben gestoßen, der allein auf der Insel weilte. Der Dreikäsehoch behauptete, alle Inseln der Bahamas zu kennen und allein zwischen ihnen umherzustreifen. Zu Recht verwundert und misstrauisch geworden, befragten die beiden den Knaben genauer, woraufhin dieser offenbarte, dass er von demselben Seegeist besessen war, dem auch Dahn-Ti huldigte. Um schlimmeres zu vermeiden – ich hatte ja zuvor bereits die Gefahren der Vodun-Beschwörungen geschildet – wurde der Junge daraufhin höflich aber rasch verabschiedet. Unnötig zu erwähnen, dass der stets zwielichte Farrell großes Interesse an den vermeintlichen Fähigkeiten des Knaben hegte, was die anderen aber rundheraus verbaten.

Nun aber spitzte sich die Lage zu. Durch den Raub zweier ihrer Schwestern waren die übrigen Meerjungfrauen um Bimini erzürnt und sannen auf Rache. Sie drohten damit, jeden Seemann zu töten, der sich nun noch aufs Meer wagen sollte. Dahn-Ti selbst war außer sich vor Zorn über die Missetat der zwei “Eroberer”, hatte sie doch versucht, friedlich mit den Nixen zu sprechen. Es war schließlich aber Black John, der die Situation entschärfte: Es zeigte sich, dass der Weißbart bei den Meerjungfrauen unter dem indianischen Namen Ixchelhota bekannt und respektiert war, was “Mond-Auge” bedeutet. Er bat sie um Verzeihung und hieß sie, sich zurückzuziehen und die Fischweiber gehorchten.

Alle waren höchst verwundert ob des Gewichts, den sein Name bei den Seewesen hatte. Ich selbst weiß um den Grund, auch auch, was sich unter der Augenklappe des alten Piraten wirklich verbarg, doch habe bisher davon geschwiegen und werde es auch meinen Lebtag nicht enthüllen. Dieses Geheimnis soll gemeinsam mit Jonathan Murdock in die See gegangen sein und soll dort bleiben. Und damit habe ich genug von der Insel Bimini geschrieben, und dem, was dort geschah.

ENDE VOM DREIZEHNTEN TEIL

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