The Pirate Round

Zwölfter Teil

Worin sich ein Taugenichts offenbart

Auf dem Weg zur kubanischen Küste tat sich die Rapture mit einem weiteren Piratenschiff der Bruderschaft zusammen, der Snapper, einem neu ausgerüsteten Schoner, der eigentlich die Inselgruppen der Bahamas als Jagdrevier hatte. Doch da der Kapitän, ein hinterlistiger Mann namens Joseph Farrell, unter Zugzwang stand Beute zu machen um die Geschütze der Snapper abzubezahlen, hatte sich der Schoner in südlichere Gewässer gewagt.
Das Zusammentreffen mit der Rapture war besonders merkwürdig: Da beide Schiffe unter falscher Flagge fuhren und als harmlose Händler getarnt waren, steuerten beide aufeinander zu, um sich gegenseitig zu überfallen. Erst im letzten Moment, als die Entermannschaften schon die Säbel zücken wollten, erkannte man das Missgeschick. Einen Fehlschlag zur Gelegenheit ummünzend, wurde kurzerhand beschlossen, in gutem Frieden miteinander gemeinsam auf Kaperfahrt zu gehen. Der infame Kapitän Farrell aber war vom Neid gepackt und wollte alles daran setzen, ein großes Schiff wie die Rapture sein Eigen zu nennen.

Vor Havanna bot sich dafür auch direkt eine Gelegenheit auf dem silbernen Tablett: Eine nur schwach bewaffnete spanische Patrouille, bestehend aus zwei altersschwachen Briggs, zur Korvette umfunktioniert, sowie einer Fregatte, die nur dem Namen nach eine solche war. Kapitän LaPierre brannte sogleich darauf, den Spaniern eine Lektion zu erteilen, so wie man es auch schon vor Tortuga getan hatte. Auch die anderen waren sofort Feuer und Flamme, hatte man doch Rückenwind und eine der günstigen Strömungen, die in diesen Gegenden so unberechenbar vorkommen. Doch Kapitän Farrell, dem das Herz in die Hose gerutscht war, sprach sich gegen einen Angriff aus und konnte nicht umgestimmt werden, sodass die Piraten in nördliche Richtung abdrehen mussten.

Die Spanier werteten diese Kursänderung als das, was sie war, nämlich ein Zeichen von Schwäche und Unentschlossenheit. Sie namen daher die Verfolgung auf, erpicht darauf, die Rache für ihre frühere Niederlage zu bekommen. Nun musste der arme Black John den Fehler Farrells ausmerzen. Tag und Nacht, bei allen Unbillen des Wetters und der See, harrte der alte Pirat am Steuer aus um die Rapture vor den Spaniern zu retten. Zu allem Überfluss war es die schlecht gesteuerte Snapper, die sie dabei hemmte. Erst als Dahn-Ti die Geduld verlor und Farrell nachdrücklich zwang, die dutzenden Tonnen nutzloses Wasser, dass er aus irgendeinem Grund im Laderaum hatte, über Bord gehen zu lassen, konnten die Piraten Seemeilen gut machen.

Doch es war umsonst: Als man die Bahamas erreicht hatte und sich nach einigen Tagen der Ruhe bereits in Sicherheit wähnte, tauchte aus dem Morgennebel erneut die spanische Fregatte, sinnreich La Vengenca getauft, auf. Es zeigt sich dass ein Kampf nun doch unvermeidlich sein würde. Nun da es endlich so weit war, wurde keine Zeit mehr verloren und die Mannschaft der Rapture tat, was sie am besten konnte. Der Kampf war blutig: Schrapnellgeschosse fegten über die Decks und hinterließen Verstümmelte und Tote. Unter Deck behielt James Sedgemoore mit harter Hand die Kontrolle über die Kanonen und ließ unerbittlich das Feuer erwiedern. Dahn-Ti führte furchtlos den Enterangriff und trieb die Spanier zurück, Black John hielt ihr den Rücken frei und stand stets da, wo die Mannschaft ihn brauchte. Und der Kapitän? Der machte seinem Ruf als Hazardeur alle Ehre und schwang sich in die höchste Mastsspitze der Vengenca, um die rot-goldene Flagge hinterzuhauen. Als die Spanier dies sahen und feststellten, dass ihre Lage hoffnungslos war, warfen sie die Waffen nieder und baten um Schonung. Die Snapper hatte sich bei all dem vornehm zurückgehalten.

Wer vom einfachen Schiffsvolk nicht zu den Seeräubern übertreten wollte wurde anständig behandelt und mit genügend Proviant und Wasser auf der viel befahrenen Schiffsroute ausgesetzt. Der spanische Kapitän und alle Offiziere bis auf den Bordarzt waren während der Schlacht gefallen. Letzterer schloss sich bereitwillig der Crew der Rapture an; wir werden an späterer Stelle noch von ihm lesen. Als es aber um das Teilen der Beute ging, zeigte der verwerfliche Halunke Kapitän Farrell aber sein wahres Gesicht: Er bestand darauf, dass ihm und ihm allein die wertvolle La Vengence als Prise zustehen würde. Hierzu führte er allerlei Fadenscheiniges an, was große Empörung unter den ehrlichen Seelen der Rapture hervorrief. Es ist allein dem Edelmut Kapitän LaPierres und seiner Offiziere zu danken, dass Größe bewiesen wurde, und der Aufschneider tatächlich seine Snapper gegen die ungleich größere spanische Fregatte tauschen durfte. Vielleicht ahnte der Kapitän, dass das Schicksal eines Tages diese Unwürdigkeit Farrells bestrafen würde.

Ich will aber nicht von dem Schweigen, was während dieser Episode geschah. Zwischen der Flucht und der unausweichlichen Schlacht lagen beide Crews einige Tage auf der Insel Bimini, um frische Vorräte aufzunehmen. Was dort, auf diesem menschenleeren Eiland aber geschah, ist so unglaublich und bedarf einiger Erklärung, sodass davon erst im nächsten Kapitel in specie geprochen werden soll.

ENDE VOM ZWÖLFTEN TEIL

919px-Panorama_of_La_Habana__Amsterdam__17th_century_.jpg

Comments

Lobstrosity Lobstrosity

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.