The Pirate Round

BUCH 1: Vorrede und Erster Teil

Worin die Piraten ihre erste Beute machen

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Dem geneigten Leser mögen bereits allerhand Gerüchte und andere unsichere Neuigkeiten über die Untaten der karibischen See-Räuber bekannt sein, über die im folgenden Büchlein berichtet wird. Fast alles davon entspringt der Phantasie der Erzähler und hat wenig mit den wahren Begebenheiten zu tun. Es ist daher mein Anliegen, die tatsächliche Geschichte dieser Piraten zu erzählen, ohne alle Vergrößerung oder Flatterie, wie nur ich sie kennen kann, da ich daselbst dabeigewesen oder doch wenigstens aus erster Hand davon erfahren habe.
Diese Begebenheiten mögen selbst mitunter geradezu unglaublich scheinen, doch versichere ich, dass ich nichts der Wahrheit hinzugefügt habe, und nur ausgelassen, was der Anstand mir verbot, niederzuschreiben. Gegen die anhaltende Kritik der Herren Geistlichen gegen meine Schriften muss ich schließlich wiederholen: Ich stelle diese Geschichte gröbster Verbrechen zur See und an Land nicht zusammen, um der Öffentlichkeit schlechte Vorbilder zu präsentieren. Einzig will ich zeigen, welche Gefahren Gesetzlosigkeit und ungezügelte Freiheit für Leib und Seele darstellen.
Dies möge ein abschreckend Lehrstück für kommende Generationen sein.

“Ich tat im Kleinen nichts Anderes, als du im Großen -
aber mich nennt man deshalb abfällig einen Räuber.”
(Aristinikos zu Alexander dem Großen)

Diese so besonders ruchlose Piratenbande, von der die Rede sein wird, schloss sich im Winter des Jahres 1690 im Hafen von La Tortuga zusammen, jenem Schlupfwinkel der Räuberei, von dem ich bereits in meinen anderen Schriften mehrfach berichtet habe. Rädelsführer dieser Zusammenkunft war ein gewisser “Black John”, geboren als Jonathan Murdoch in einem der schlechtesten Viertel Londons. Dieser Mann war bereits ein erfahrener Pirat, der auf unbekannte Weise sein letztes Schiff samt Mannschaft verloren hatte. Einer seiner Spießgesellen dort war ein entehrter Adeliger namens James Sedgemoor, der sich zuvor als Straßenräuber einen Namen gemacht hatte, die er nach der Niederschlagung der Monmouth-Rebellion aufgenommen hatte. Der dritte im Bunde wurde ein Francois LaPierre, wobei dies nicht sein wahrer Name gewesen sein dürfte, wie überhaupt vieles seiner Vergangenheit unsicher ist. Einiges weist darauf hin, dass er in Indien zur Welt kam und zumindest für eine Zeit als Theatermime arbeitete. Wie das Schicksal es wollte wurde die Runde von einer wilden Jungfrau komplettiert, die sich in etwa Dahnti nannte. Sie selbst war des Schreibens nicht mächtig, aber eine wahre Amazone und manche sagen, gar mit dem Teufel im Bunde.

Diese vier schlossen einen Vertrag, zu rauben wonach ihnen verlangte und keine Flagge und keine Krone zu ehren. Dies besiegelten sie mit Branntwein und Blut und machten sich sogleich auf die Suche nach ihrer ersten Prise, gleich ausgehungerten Schakalen. Die lies auch nicht lange auf sich warten: Die Cassiopée, ein französischer Indienfahrer mit 20 Kanonen und einer tüchtigen Schaluppe als Geleit, geriet in der Passage von Tortuga in ihr Visier. Dieses Schiff war angetan wie ein Kriegsschiff, was die Piraten aber nicht täuschte. Rasch sammelte Francois LePierre mit einer flammenden Rede eine Mannschaft und die Räuber stachen ebenfalls mit einer Schaluppe in See.
(Dazu muss gesagt werden, dass die Verfassung der Bukaniere von Tortuga dergestalt ist, dass stets mindestens ein kampfbereites Schiff vor Anker liegt, dass jedem gleichermaßen gehört und das sich ein jeder Kapitän nehmen kann, wenn es der Gemeinschaft gut dünkt.)
Wind und Wellen waren auf ihrer Seite, so dass sie nicht nur rasch den Indienfahrer einholten, sondern dessen Geleitschiff sogar abgetrieben wurde, so dass es nicht zu Hilfe kommen konnte. Manche behaupten, dass Dahnti über Hexenkräfte verfügt hätte, um dies zu bewerkstelligen. Ein jeder möge davon halten, was er wolle. Mit dem geringeren Geschützfeuer der Seeräuber war dem ungleich größeren Handelsschiff nicht beizukommen, so dass sie es unverzagt über das Heck enterten.

An Deck entbrannte ein erbitterter Kampf mit den standhaften Franzosen, die aber rasch die Wirkung der Reiterpistolen des mit diesen Mordwaffen äußerst geschickten Sedgemoor zu fürchten lernten. Der französische Kapitän selbst musste sich im Zweikampf Black John geschlagen geben und bat um Schonung für sich und seine Mannschaft. Es mag sein, dass er dabei eine List im Sinn hatte. Denn ein aufgebrachtes Schiff mit reicher Beute sorgte oft für Zwist unter den Seeräubern selbst. Es bewahrheitet sich hier das Wort: Es gibt keine Ehre unter Dieben.

Mit diesem Zug hatten die vier Piraten ihre erste Prise genommen, doch ob sie sie auch würden behaupten können blieb noch zu sehen.

ENDE VOM ERSTEN TEIL

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Aus dem Tagebuch von John Murdoch

1. Eintrag

Mittwoch, 21.November, 1690

Tortuga, das alte Weib, dass ich so liebe, ist doch wahrlich in der Lage einen alten Mann wie mich nochmal zu überraschen. Eigentlich war es ein Tag, den man, wie ein Bündel Ratten nur in Rum ersäufen könnte. Immer wieder Regen und diese feuchte Hitze, die meinem Bein so zu schaffen macht.
Das einzig erwähnenswerte an diesem Tag war der Besuch von James Sedgmoore. Immer eine Freude wenn der Junge vorbei kommt und mit mir trinkt. Männer wie er sind selten geworden. Wenn so feine Kerle aus dem Adel werden, dann steckt wahrhaftig noch gutes im Menschen.

So strich der Tag dahin bis sich, bei Sonnenuntergang muss es gewesen sein, die Tür öffnet und eine entschlossen drein blickende Dame in der Tür steht, die ihr ein Franzose aufhält! Beim Klabautermann, was soll man dazu sagen. Jedenfalls war das arme Ding völlig ausgehungert. Und nach ein Paar Tellern Eintopf kamen wir ein bisschen ins Plaudern. Pah, ein Paar Tellern! Da sieht man mal wie ausgehungert die Arme war! Niemand hat bisher mehr als zwei Teller gegessen und nie ohne eine ganze Flasche Rum zu saufen um den Geschmack los zu werden. Ich wünschte wirklich meine geliebte Frau wäre noch da. Sie verstand was von Eintopfen.

Nachdem der Franzose fast über die Klinge gesprungen wäre setze er sich auch zu uns an die Bar. Gar kein verkehrter Kerl, aber er trägt etwas dick auf. Fällt mir schwer ihm seine Geschichten abzukaufen.

Als wäre der Abend nicht schon seltsam genug, platzt wenig später gleich die ehemalige Rechte von Kidd rein und erzählt uns brühwarm, dass sie den guten Kidd auf ner Insel ausgesetzt haben. Er war kaum fertig mit seiner Serenade und wieder verschwunden, da hatten wir auch schon einen tollkühnen Plan. Besser als die sind wir alle mal als Piraten. Jetzt brauchen wir nur noch ein Schiff…

Donnerstag, 22. November, 1690

Die Franzosen sind schon ein seltsames Volk! Da segeln die doch in praller Mittagssonne an Tortuga vorbei mit nem riesen Handelskahn ohne anständige Eskorte. Ein hoch auf den Teufelskerl François. Der verrückte Kerl hat uns doch wahrhaftig eine Crew und Boot “organisiert”. Der bedauernswerte Trottel, der am Strand seinen Rausch ausschläft, tut mir jetzt schon leid, wenn er aufwacht und feststellt , dass wir mit seinem Schiff und seiner Crew davon gesegelt sind. Bevor der Rest von Tortuga auch nur in der Nähe ihrer Schiffe war hatten wir auch schon die Enterhaken ausgeworfen. An Bord war es hart und blutig. Haben sich ganz schön gewehrt die Franzmänner, aber Dan-Ti, das junge zierliche Ding hat die Bande, zusammen mit James ordentlich fertig gemacht.

Der Kapitän des französischen Schiffes war ein zäher und mutiger Bursche, der sich allerdings etwas überschätzt hat, als er großspurig zum Duell herausforderte. Einen kurzen aber erquicklichen Zweikampf konnte ich mir nicht nehmen lassen. Er war Manns genug um auf zu geben und ihm wurde, wie auch seiner Mannschaft Parley gewährt.

Als er uns dann eröffnete was unser neues Schiffchen geladen hatte, könnten wir es kaum glauben …

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