The Pirate Round

Neunter Teil

Worin eine Flaute gemeistert werden muss

Die Piraten nahmen also Kurs auf Yukatan, genauer, auf ein Piratenversteck mit dem unheilvollen Namen Hell’s Cove. Doch Neptun schien ihrem Vorhaben nicht gewogen zu sein: Auf halbem Wege erstarb plötzlich der Wind und die Rapture war in einer Flaute gefangen. Die Sonne brannte unbarmherzig, und da nur Vorräte für eine kurze Reise an Bord waren, machte sich bald Sorge unter der Mannschaft breit. Die Hitze machte allen zu schaffen, sogar von Halluzinationen war die Rede!
Kapitän LaPierre entschied sich daher dazu, das Risiko zu wagen und persönlich die Rudermannschaften anzuführen, die das Schiff aus der Flaute hinausschleppen sollten. Ein riskantes Hazard-Spiel, würde die harte Arbeit den Durst der Männer doch nur weiter verschlimmern und die Vorräte noch rascher aufbrauchen. Doch der Plan des Kapitäns ging tatsächlich auf: Nach einer Woche Plackerei blähten endlich wieder eine Brise die Segel der Rapture, und unter lautem Hurrah und Vivat wurde die Fahrt fortgesetzt. Insgesamt hatte die Crew sich vorbildlich gehalten, ja hatte sich durch die gemeinsam durchlebte Strapaze eher noch stärker verbrüdert.

Doch nun, da die Reise bereits länger angedauert hatte als geplant, mussten dringend neue Vorräte und frisches Wasser aufgenommen werden, ehe man sich auf die Suche nach Hell’s Cove machte. Dazu legte man auf der Insel Cozumel an, ohne zu wissen, dass dort ein versprengter Indianerstamm vom ehemals großen Volk der Maya lebte. Diese beteten in den uralten Pyramiden noch immer die heidnische Mondgöttingen Ixchel an, von der sie glaubten, sie würde Fruchtbarkeit und Wasser beherrschen. Ihr zu Ehren wurden sogar Menschenopfer dargebracht – ein magischer Brauch, den die katholische Kirche inzwischen ausgerottet glaubt.
Doch den Piraten gegenüber erwiesen sich die Indianer als freundlich – wohl nicht zuletzt weil ihrer Hohepriesterin Ixchilathai das Kommen einer Fremden geweissagt worden war, für die sie nun Dahn-Ti hielt. Dennoch war ihre Hilfe an eine Gegenleistung geknüpft: Die Indianer fühlten sich von einem alten spanischen Missionar bedroht, der als unfreiwilliger Eremit auf der Insel lebte. Sie konnten ihn aber nicht selbst attackieren, da sie ihm einst Gastfreundschaft gewährt hatten. So fiel den Piraten diese undankbare Aufgabe zu, wenn sie die Vorräte der Indianer ohne ein Massaker erhalten wollten. Ich will nicht zu viele Worte über dieses traurige Ereignis verlieren, doch nur soviel, dass es Pflichtbewusstsein gegenüber der eigenen Mannschaft und nicht Grausamkeit war, die Black Johns Klinge führte, als er den greisen Priester in die Ewigkeit beförderte. Dringend benötigtes Süßwasser, Fleisch und Feldfrüchte sowie geflochtenes Seil waren der Lohn für diese Tat, und so angetan setzte die Rapture ihre Fahrt fort.

Es war dann James Sedgemoore zu verdanken, dass man den Eingang zu Hell’s Cove fand, denn er war bereits einmal mit de Graf hier gewesen. Bei diesem Piratennest handelt es sich um eine gut versteckte Höhle in der Küste der Halbinsel. Da sie noch heute von Gesetzlosen genutzt wird werde ich über ihre Lage nicht mehr schreiben, nur soviel, dass man gut daran tut, den Vogelflug zu studieren wie es die alten Auguren taten, wenn man hineinfinden will. Wer die enge Zufahrt mit eigenen Augen gesehen hat wird kaum für möglich halten, dass ein großes Schiff wie die Rapture tatsächlich dort hineingefahren sein soll, doch so und nicht anders vollbrachten es die Seeräuber mit vereinten Kräften.
Mit einiger Verzögerung endlich an diesem Ort angekommen stellte sich heraus, dass auch die Jacob – ehemals Blessed William – unter Mason und Culliford bereits hier angelegt hatte. Die Piraten gingen auf der Suche nach den beiden Rivalen von Bord und begaben sich damit geradewegs in die Höhle des Löwen …

ENDE VOM NEUNTEN TEIL

Flaute.jpg

Comments

Lobstrosity Lobstrosity

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.