The Pirate Round

Vierter Teil

Worin der Kapitän Morgan befragt wird

Das nun folgende Geschehen mag manchen der Welt verschlossenen Lesern unglaublich, ja gar gotteslästerlich scheinen, aber ich gebe nur getreulich wieder, was Augenzeugen in Port Royal berichtet haben. Es heißt also, die Piraten hätten unter der Anleitung von Dahn-Ti eine schwarze Messe des Vodun um das Grab des Kapitän Morgan abgehalten und so seinen Geist aus dem Totenreich beschworen. Man mag sich diese artes magicae vorstellen wie die Nekromantie des Odysseus oder die Anrufung der Hexe von Endor durch den König Saul, wie es uns die Schrift überliefert. Denn nicht weniger machtvoll ist der Vodun, wie ich es bereits in meinem Werk Miracula Atlantici beschrieben habe. Als wichtiges Utensil mag der Gehrock des Morgan gedient haben, der sich angeblich im Besitz von Black John befand.

Niemand außer den Piraten selbst weiß mit Sicherheit, was sich dann in der Gruft abspielte. Zeugen berichten von erschrecklichen Geräuschen, Geheul und eisigem Wind der über die Insel gekommen sei. Stimmen aus der Erde und auch Besessenheit durch den Teufel scheint es gegeben zu haben. Es zeigt sich, wie urpsrünglich Tradition und Religion dieser Seeräuber und Wilden sind, das sie uns an die Tage des Alten Testaments erinnern. Schließlich aber, so heißt es, hätten die Piraten ihre Antworten vom Kapitän Morgan bekommen und sich dazu entschlossen, der von ihm gegründete Bruderschaft der Küste neues Leben einzuhauchen. Viele ihrer Taten gründen sich in diesem Entschluss. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

In diesen Tagen und Wochen geschahen einige weitere Merkwürdigkeiten, in die die Piraten unter LaPierre verstrickt gewesen sein sollen. Diese Gerüchte sollen hier in Kürze zur Information des Lesers aufgezählt werden, ohne dass der Autor sich für den Wahrheitsgehalt verbürgen will.
Zwei Männer verschafften sich unter einem Vorwand Zutritt zum Fort Morgan’s Line und verschwanden dann spurlos aus dem Zimmer des Kommandanten. Kurz darauf will ein Walfänger eine große Anzahl von Flaschenpost in der Bucht gesehen haben, die rasch aufs Meer hinaustrieben. Einige behaupten, Black John und LaPierre selbst seien diese Männer gewesen.
Auf der High Street gab es ein mit Pistolen geführtes Ehrenhändel um eine Frau, geführt zwischen dem bekannten Freibeuter Thomas Tew und einem anderen Mann, der sein Halbbruder gewesen sein soll. Tew, der bis heute als überaus ritterlicher und tadelloser Charakter bekannt ist, überließ seinem Gegner den ersten Schuss ehe er das Duell für sich entschied.
Von der Frau heißt es, sie sei eine deutsche Prinzessin gewesen, aber das ist zweifelhaft. Sicher scheint aber, dass sie kurz zuvor inkognito von einem Mann aufgesucht wurde, bei dem es sich um James Sedgemoor gehandelt haben soll. Inzwischen ist man der Meinung, das tödliche Duell beruhe auf seinen Machenschaften. Aber darüber mögen andere urteilen.

ENDE VOM VIERTEN TEIL

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