The Pirate Round

Zehnter Teil

Worin gleich zwei Gefangene befreit werden

In Hell’s Cove trafen die Piraten auf nur wenige freundliche Gesichter. Eines davon gehörte einem chinesischen Krämer namens Sheng, der der Idee aufgesessen war, die legendären Schatzschiffe des Eunuchen-Admirals Zheng He hätten bereits im 15. Jahrhundert – noch vor Christoph Columbus! – die karibische See erreicht. Die Geschichte der sagenhaften Reichtümer der chinesischen Flotte verfehlten ihre Wirkung vor allem bei Black John nicht, der beim Anblick der alten Seekarten von der Idee beseelt wurde, diese Schätze zu finden und zu bergen.
Auch erhielt die Rapture mit der außergewöhnlichen Anne Cherel ein neues Besatzungsmitglied. Diese stammte ursprünglich aus der Bretagne, war aber als junge Frau wegen einiger Verbrechen nach Tortuga deportiert worden, wo sie sich den Bukaniern angeschlossen hatte. Dort traf sie mit Pierre Lelong ihren ersten Ehemann, der aber im Juli 1690 im Gefecht starb. Im Jahr darauf heirate sie erneut, diesmal den Artilleriekommandanten von Hell’s Cove, Joseph Cherel. Sie war also frisch vermählt als die Piraten unter LaPierre auf sie trafen. Vielleicht hatte sie ein Auge auf den Kapitän oder aber auf James Sedgemoore geworfen! In jedem Falle half sie ihnen als die Rapture aus Hell’s Cove fliehen musste, indem sie ihren Mann verließ auf dem Schiff zum Schein als Geisel mitfuhr, so dass ihr gehörnter Ehemann nicht wagte, auf das Schiff feuern zu lassen. So wurde sie Teil der Crew.

Doch warum musste die Rapture Hell’s Cove so fluchtartig verlassen? Der Grund war ein blutiges Gefecht, dass sie sich mit den Männern der Jacob unter Bill Mason und Robert Culliford geliefert hatten, mit denen noch eine offene Rechnung bestand, seitdem sie versucht hatten, ihnen vor Tortuga die Beute streitig zu machen. Außerdem hatten die Piraten herausgefunden, dass Culliford den wahren Gouverneur von Jamaica – ich werde hier keine Namen nennen, doch es lässt sich leicht herausfinden – gefangen hielt. Kurzerhand stürmten die Seeräuber der Rapture daher los, um Culliford den wertvollen Adeligen abzujagen.
Kapitän LaPierre hatte sich zwecks Informationsbeschaffung ins örtliche zweifelhafte Haus begeben, derer es in Seeräubernestern stets eine Unzahl gibt. Dort aber lauerten ihm Spießgesellen Cullifords bereits auf, überwältigten ihn hinterrücks und entführten ihn. Als die restliche Crew der Rapture davon erfuhr, gab es kein Halten mehr.

Es kam zu einem heftigen Handgemenge und scharfem Schießen beim kurzentschlossenen Sturm auf das Gefängnis und die alte Kapitänsvilla, in dem Culliford sein Lager aufgeschlagen hatte. Mason befehligte die Verteidigung, wurde aber von Dahn-Ti zum Zweikampf gestellt und niedergemacht, so dass er vor den Augen seiner entsetzen Männer tot zu Boden fiel. Culliford hatte sich tiefer in den Kerkern verschanzt, wo er Kapitän LaPierre festhielt und diesem arg zusetzte. Mit allen Kräften versuchte der brutale Culliford, den Eindringlingen ein rasches Ende zu bereiten: selbst eine Drehbasse hatte er mit gehacktem Blei laden lassen und schussbereit machen lassen.
Nur einem raschen Messerwurf Sedgemoors – dessen Pistolen durchnässt worden waren – auf den Kanonier ist zu verdanken, dass die Geschichte ein glückliches Ende nehmen konnte. Erneut war es dann Dahn-Ti, die Culliford in einem Zweikampf überwand, wie wir ihn sonst von antiken Epen kennen. Mit herkuleischer Kraft rang sie mit ihn, stürzte sich mit ihm gemeinsam in einen Schacht und zog ihn dort im Wasser in die Tiefe, wo der Pirat jämmerlich ertrinken musste. Sie aber, ein wahres Kind des Meeres, tauchte unverletzt wieder auf. Inzwischen hatte sich LaPierre selbst befreit, doch die Grotte drohte einzustürzen, beschädigt durch die schweren Kämpfe und den einsetzenden Regen.

Und so kam es, dass die Rapture schließlich Hals über Kopf Hells Cove verließ. Das wichtigste soll dabei aber nicht vergessen werden: Es gelang ihnen nicht nur, mit heiler Haut die offene See zu erreichen, sie hatten tatsächlich den Gouverneur bei sich. Es heißt, dieser sei von Culliford derart verführt worden, dass er tatsächlich nicht dessen Gefangener, sondern dessen Anhänger geworden war, und versucht hatte, seinem Meister im Kampf beizustehen. Da er aber kein zäher Kämpfer war, konnte der Adelige rasch überwältigt werden.
Eine ungewöhnliche Prise hatten die Piraten da gemacht, und eine, die bei weitem nicht so leicht in Gold zu machen sein würde, wie sie geplant hatten …

ENDE VOM ZEHNTEN TEIL

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